
So, 30.07.17:
Alle guten Dinge sind drei: Der heutige Gottesdienst fand in der St. Joseph Parish Church statt. - Es war nicht ganz einfach, sich zu
entscheiden, denn Williams hat bei 3000 Einwohnern neun Kirchen! - Es ist eine hübsche kleine moderne Holzkirche mit null Akustik.
Beim heutigen Gottesdienst gab es, wie vor zwei Wochen, wieder ein Begleitheft zum Mitlesen aller Texte des Tages, dazu auch ein Faltblatt mit den liturgischen Standard-Antworten
und der wiederkehrenden Texte, jedoch hat dort das Vaterunser gefehlt. - Offenbar geht man davon aus, dass das weltweilt ALLE auf englisch auswendig können... - Es gab auch
ein Gesangbuch, die Kirchenmusik und der Volksgesang waren allerdings erbärmlich: Eine kleine Schar Leute sang von der Empore zu rudimentärer Gitarrenbegleitung die Lieder
einstimmig. Die Gemeinde sollte natürlich mitsingen, was sie kaum konnte, da alles extrem langsam gesungen wurde. Teilweise war bei den Liedern die Melodie nur für den Refrain
abgedruckt - bei den Strophen war entsprechend kaum mehr was zu hören. Einige Dinge wurden statt gesungen, einfach gesprochen, zB. das Gloria und der Antwortpsalm. Das
Halleluja, Sanctus und Agnus Dei hat der Pfarrer auswendig a cappella angestimmt, und zwar auf lateinisch nach den auch bei uns vertrauten gregorianischen Melodien. Das war sehr
überraschend: einerseits vertraut, andererseits lustig, das Latein mit englischem Akzent zu hören. Der Pfarrer war übrigens ein richtig guter Prediger und baute seine Predigt
darauf auf, der Gemeinde zwei Fragen zu stellen: 1. Was würdest du von Gott erbitten, wenn er dir einen Wunsch frei gibt? & 2. Welchen Platz hat dein Glaube in
der Rangliste, was einem persönlich und täglich wichtig ist?
Nach der Kirche haben wir im Canyon Country Inn fertig gefrühstückt, haben uns anschließend das Städtchen noch bei Tageslicht angesehen
und sind dann auf der Interstate 40 bis Ash Fork gebrettert. - OK, das ist das falsche Verb, denn
wir hatten wegen Baustellen fast die ganze Zeit Stau oder stockenden Verkehr. -
Kurz nach Ash Folk folgt Seligman und dann das längste, beste und landschaftlich schönste originale Teilstück der Route 66, die sich hier in einem großen 170 km Halbkreis weit von der Interstate entfernt. Am Anfang dieses Halbkreises liegt Seligman. Das Eine-Straße-Örtchen mit 400 Einwohnern ist laut Führer der absolute Höhepunkt der Route66-Nostalgie oder besser des Route66-Kitsches. -
Man muss schon sagen, es stimmt, und es ist ziemlich verrückt. - In Seligman haben wir sehr kultig zu Mittag gegessen und haben aufgetankt, da man angeblich die nächsten 140
Meilen keine Tankstelle mehr findet (was inzwischen nicht mehr stimmt), und begaben uns dann zu den Grand Canyon Caverns. Beim Eingang der
Caverns sah es zuerst etwas 'schitter' und verlassen aus, jedoch fanden sich dann doch erstaunliche 25 Besucher ein. Mit dieser Gruppe zusammen haben wir die Regular Tour - es werden noch zwei weitere Touren angeboten - absolviert. Im Vergleich mit anderen Höhlen ist dieses Höhlensystem vergleichsweise
uninteressant, da es sich um eine Trockenhöhlen handelt. Entsprechend gibt es auch keine Tropfsteine oder ähnliches. - Den Namen tragen die Caverns übrigens, weil sie unterirdisch
mit dem 100 km entfernten Grand Canyon verbunden sind. Komplett erforscht hat sie noch lange niemand, aber es wurde mit Rauchfackeln
nachgewiesen. -
Dem Beispiel der Caverns folgend, begaben wir uns nach Peach Springs, von wo aus wir die Diamond Creek
Road - der einzigen Straße, die in den Grand Canyon führt - entlang bis zum Colorado River gefahren sind. Für das letzte
Stück hätte es eigentlich eine Genehmigung der indianischen Verwaltung gebraucht... diese Information wäre 30 km früher nützlich gewesen! Am Fluss spürten wir die grandiose Wärme,
die am Boden des Grand Canyons herrscht. Durch die unglaubliche Landschaft gings zurück nach Peach Springs, wo wir zufällig das Schild bezüglich der erforderlichen Genehmigung
entdeckten... es war umgefallen und lag im Dreck.
Das Städchen ist die Hauptstadt der Hualapai [Walapai] Nation und wird fast ausschließlich von Indianern bewohnt. - Angeblich hat der Ort die Macher von 'Cars' zum fiktiven Ort
Radiator Springs inspieriert, jedoch gibt es wenig bis gar keine Ähnlichkeiten. Jedoch entspricht seine Position im 'Zenit des
Halbkreises' ganz dem Film, in dem ja Radiator Springs wirtschaftliche Probleme hat, weil die neue Straße dazu führte, dass niemand mehr die alte Straße benutzte.
Nun ging schon die Sonne unter, aber die an sich geplante Übernachtung hier in der Hualapai Lodge wäre viel zu teuer gewesen.
Deswegen haben wir 50 Meilen vom morgigen Plan vorgezogen und sind bereits nach Kingman gefahren. Auf dem Weg dorthin sind wir u.A. an
Hackberry vorbeigekommen. Dort gibt es einen kultigen General Store, der hatte aber bereits
geschlossen.
Nach einem Picknick am Swimming Pool des Route 66 Motels, war es nun Zeit, diesen Blog zu schreiben...