Tag 17

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Mi, 26.07.17:

Als Kompensation für gestern, ging es heute früh aus den Federn. Zu früh, denn das Frühstücksbuffet hatte noch gar nicht geöffnet. Nach einer halben Stunde Wartezeit - die man besser zuvor in Schlaf investiert hätte - erhielten wir dann doch noch einen 'Zmorge'.
Im Anschluss machten wir einen kurzen Abstecher in die Altstadt von Albuquerque [Al-bu-kör-ki]. Das historische Downtown bestehend aus einem kleinen Platz und einigen wenigen Straßen ist einer der wenigen Orte in der Stadt, wo man zu Fuss unterwegs sein kann. Im Prinzip sind wir dort einmal um den Minipark herumgelaufen und besuchten die kath. Kirche San Felipe de Neri. Die Kirche ist das älteste Gebäude der gesamten Stadt. Sie stammt aus dem Jahre 1792. Für gestern hatten wir auf unserem theoretischen Plan, das American International Rattlesnake Museum zu besuchen. - Das Museum ist angeblich das Beste seiner Art. Unter anderem soll es die ausführlichste Sammlung lebender Klapperschlangen besitzen. - Wegen der für Reisende meist unbrauchbaren Öffnungszeiten, fiel das jedoch sowohl gestern, als auch heute unter den Tisch.
Gegen diesen tierischen Verlust können wir jedoch dagegenhalten, dass wir unser gesamtes heutiges Programm geschafft haben - trotz 225 Meilen Grundstreckenansatz. -
Zu Beginn folgten wir der Route 66 Streckenführung von 1937. Diese führt von Albuquerque mehr oder weniger nach Süden dem Rio Grande entlang - von dem man allerdings herzlich wenig sieht - bis nach Los Lunas. Von dort aus sollte man theoretisch auf den Interstate 40 wechseln, wir haben es jedoch anders gemacht. Keine Ahnung wie legal unsere Variante war. Auf jeden Fall sind wir quer durch die wüstenhafte Landschaft geholpert, auf Wegen die teilweise nur knapp erahnbar waren und zwischendurch auch einmal in einer Sackgasse endeten. - In einem solchen 'Dead End' hatten wir eine ziemlich übel riechende Begegnung mit den Überresten eines (vermutlichen) Pferdes. Leider konnten wir die 'Aasgeier' nicht wirklich fotografieren. - Nach dem erfolgreichen Wiederfinden des Highways, landeten wir direkt in einer Großbaustelle, die gerade gefühlte 25 Meilen mit Straßenbau beschäftigt waren. Da wir einige Zeit warten mussten, ehe wir dem 'Guide-Auto' durch die Baustelle folgen durften, dauerte es insgesamt gut und gerne eine dreiviertel Stunde, ehe wir die Strecke hinter uns hatten. Dadurch wurde es auch noch beinahe knapp, eine Tour für Sky City zu erwischen. Das Acoma Pueblo, das nicht direkt an der Rt66 liegt, ist das schönste Pueblo-Dorf von New Mexico. Um die Indianersiedlung zu besichtigen ist es vonnöten, an einer 1.5-stündigen geführten Tour teil zu nehmen. Anderweitig ist es nicht möglich, das Dorf auf dem Felsen zu betreten. - Heute war zudem ein spezieller Tag im Pueblo. Von der spanischen Kolonialzeit her praktizieren die Einwohner von Sky City zwei Religionen, die katholische und ihre traditionelle Religion, die sie mit 'Lausbubenstreichen' erfolgreich durch die Kolonialherrschaft gerettet haben. Heute waren deswegen zwei Dinge zu feiern: Den Tag der St. Ann und eine Feierlichkeit zur Erbittung von lebensspendendem Wasser für alle Lebewesen. Die Feierlichkeiten, das heißt die Tänze und die Tänzer selbst, sowie der Hauptplatz, durften nicht fotografiert werden. - Am Ende der Tour konnte man optional den ursprünglich einzigen Felsenfußweg ins Pueblo hinuntersteigen. Selbstverständlich haben wir es getan.  - Supersteil! -
Nach Sky City folgt das El Malpais National Monument. Der Nationalpark besteht hauptsächlich aus gigantischen bekletterbaren Sandsteinformationen und einem Feld erstarrter Lava. Vom Sandstone Bluffs Overlook aus konnte man die kalte Lava bewundern, während man in den Sandsteinklippen herumkletterte. Etwas weiter südlich gibt es La Ventana, eine gewaltige, natürliche Sandsteinbrücke. - Sie sieht aus wie ein Tor zu einer Zwergenfeste in 'Herr der Ringe'. - Das dritte Highlight war Narrows, festungsartige Felswände. Narrows war insofern nicht wirklich überragend, da auf dem ganzen Weg dorthin bereits festungsartige Felswände vorhanden waren, nur mit dem Unterschied, dass die Straße nicht direkt an ihnen vorbeiging. - Theoretisch hätte man im Park noch viel mehr machen können, aber: Die Zeit... -
Auf dem Weg in den Red Rock State Park, streiften wir Grants, eine ehemalige Bergbausiedlung, und passierten den Continental Divide. - Der Divide, oder die Wasserscheide, liegt auf 2'223 Metern Höhe über Meer. Geographisch gesehen ist sie ein äußerst wichtiges Objekt: Auf der einen Seite fließen alle Gewässer in den Pazifik und auf der andern Seite enden alle im Atlantik. - Der Scheidepunkt ist optisch aber nicht zu sehen, nur die Schilder, mit denen die Geschäfte am Straßenrand darauf aufmerksam machen und so versuchen, Touristen in ihre Läden zu locken.
Etwa zehn Kilometer vor Gallup, der 'Indianerhauptstadt' liegt der Red Rock State Park. Die bizarre Felsformationen die unter anderem an eine große Kirche (Church Rock) erinnern, liegen auf dem Gebiet der Navajo-Indianer. Am Fuße der Felsen, und beim Beginn der Wanderstrecken, findet alljährlich im August ein nationales Pow-Wow statt. - Ein Treffen aller Indianer-Stämme. - Dabei kommen über 1000 Indianer zusammen, um zu feiern, zu diskutieren und ihre Kräfte im Rodeo zu messen. Da noch nicht August ist, war der Red Rock State Park aber ziemlich verwaist. Vielleicht waren wir auch einfach nur spät dran. Die Sonne hatte bereits begonnen unterzugehen, als wir unsere Querfeldein-Tour, das bedeutet: irgendwo die Felswand hoch, begannen. Als wir etwa auf halber Höhe waren, entschieden wir uns dazu, einem trockenen Bachbett zu folgen. - Was wir da zu sehen bekamen, war wiederum sensationell: Trockene Wasserfälle, leere Strudel, hingeföhnte Bachbettstrukturen und vor allem grandios gewellte Felsen, als ob sie einst selbst Wasser gewesen wären... - So gut wie am Ende des begehbaren Bachbettes angekommen, gab die Kamera den Geist auf. - Akku leer. - Der Schaden war allerdings nicht allzu groß, da wir kurz danach in einer Sackgasse endeten, wo das Wasser von oben herunterfallen würde, wenn es denn welches gäbe. Und ohnehin war es schon ziemlich dämmerig...
Mit dem allerletzten Sonnenlicht erreichten wir dann Gallup [gäll-ap] und unsere Übernachtungs-Destination: El Capitan.
Heute reichte es auch noch für ein mexikanisches Abendessen im Panz Alegra - Empfehlenswert!