Mi, 19.07.17:
In
Branson kann man dem einzigartigen Vergnügen nachgehen, den Fluss zum Gesang von Straßenlaternen zu betrachten. Aber auch bezüglich von
Ramsch, Kitsch und Krimskrams ist die Stadt nahezu einzigartig.
Nach einer kurzen Spritztour durch das 'familienfreundliche Las Vegas', machten wir uns auf den spannenden Hinterlandwegen durch die Ozarks zum
Wilson's Creek National Battlefield. Selbstverständlich nicht, ohne hin und wieder einen kurzen Zwischenstopp einzulegen.
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Originellerweise liegt das National Battlefield in Battlefield. -
Ein fünf Meilen langer, dokumentierter, mit dem Auto befahrbarer Rundweg führt einen durch das Gebiet, in welchem die Union im
Bürgerkrieg gegen die Konföderation verloren hat. - Ironischerweise war diese Niederlage der Grundstein für den späteren Sieg
der Union. - Wie auch immer, der Weg an sich ist nicht umwerfend interessant, da es sich ja nur um normales Gelände handelt. Das einzig spannende am Weg ist das originale Haus
eines Farmers aus der damaligen Zeit. Jedoch gibt es ein Visitor Center, in welchem man einen dreißig-minütigen 'Einführungsfilm' anschauen kann. - Hat man den Film gesehen, weiß
man bereits alles und kann theoretisch wieder gehen. -
In der Heimatstadt von Brad Pitt, in Springfield MO (nicht IL), gibt es... nichts. Von einer
historischen Fußgängerbrücke über die Gleise mal abgesehen (leider war sie gesperrt). Man könnte nahezu glauben, man habe sich im Ort vertan: Aber für eine Stadt mit über
150'000 Einwohnern, erwartet man doch mindestens einen Laden, oder etwas in der Art. Möglicherweise waren wir auch einfach irgendwie am 'falschen Ende' der Stadt, aber das ist
schon irgendwie typisch, dass sich die Orte und Städte in niedriger Bauweise auf einer großen Fläche ausbreiten ohne sich merklich im Zentrum zu verdichten. Auf jeden Fall fuhren
wir weiter, ohne etwas wirklich nennenswertes in Springfield getan zu haben.
Fährt man auf der Route 66 von Springfield in Richtung von Carthage, trifft man etwa vierzig Minuten vor dem Ziel auf eine Versammlung von
Oldtimern bei einer ehemaligen Tankstelle. Auf dem Areal dieses Erinnerungsstück-Museums lebt George, der das Werk seines Schwiegervaters weiterführt. Man darf seinen 'Garten'
ohne Scheu betreten. George erzählt dann über die Entstehung des Ortes und wie alt jedes einzelne Objekt ist, wie es hierher gelangte und ob es noch funktioniert. Es gibt auch
einen kleinen Souvenirladen, der jedoch produktmäßig gleich wie jeder andere aufgebaut ist. Wenn man möchte, kann man sich auch im Gästebuch verewigen, oder seinen Namen auf
den Gartenzaun schreiben. Familientraditionsgemäß offeriert George einem zudem gratis Wasser und - weil Papa gefragt hatte - ein Eis.
George hatte uns etwas von Red Oak erzählt. Entsprechend fuhren wir auf unserem weiteren Weg den Wegweisern nach. Jedoch fanden wir nur
etwa drei Häuser, eine Kirche und einen Autofriedhof vor - und waren etwas verwirrt. - Schulterzuckend fuhren wir übers Hinterland einfach weiter nach Carthage.
In der Stadt angekommen, fanden wir heraus, dass das Motel, in welchem wir heute übernachten, dasjenige ist, das George uns so sehr empfohlen hat. Das historische Boots Court Motel gibt einem die Möglichkeit ganz im Stil der 1940er Jahre zu übernachten. - Einzige Ausnahme: Es gibt WiFi (das aber heute nicht
funktioniert). - Wir übernachten heute im selben Zimmer, in welchem während des 2. Weltkrieges Clark Gable übernachtet hatte, als er sich
in Carthage aufhielt. - Ich habe keine Ahnung, wer das ist und Papa ist entsetzt darüber, dass ich ihn und Brad Pitt nicht kenne. - Das Motel selbst ist nur ein ganz kleines, es
hat vielleicht etwa zehn Zimmer. Entsprechend ist es sicher empfehlenswert im voraus zu buchen.
Eigentlich
hatte Papa geplant, dass wir heute wieder mal ins Autokino gehen. Dummerweise hat das 66drive in nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet,
was er nicht mit eingeplant hatte. Also gingen wir auf den Hauptplatz von Carthage, auf welchem - wer hätte es gedacht - total tote Hose war. Immerhin fanden wir einen Eisladen,
in welchem wir uns je EINE Kugel organisierten. Ein Riesending war das! - In Europa wären das zwei, wenn nicht drei Kugeln. - Bei Debbie, der Rezeptionistin vom Boots Court Motel,
hatten wir uns erkundigt, was George mit Red Oak genau gemeint haben könnte. Sie hatte es uns erklärt und so machten wir einen Abstecher
dorthin.
Das Red Oak II (die 2 steht eben zur Unterscheidung zum anderen Red Oak) ist eine beeindruckende Ansammlung von alten, renovierten
Gebäuden. Vor fünfzehn Jahren war der Ort offenbar in voller Blüte. Der Erschaffer, der Künstler Lowell Davis, erzählte uns, dass dort damals ein Motel, eine Tanzbar und ein
Restaurant geführt worden seien. Heute ist der Ort 'nur' noch ein historisches Dorf - im Prinzip ein Freilichtmuseum - das hauptsächlich von George und vom Boots Court Motel
empfohlen wird. Es gibt keine Hinweisschilder, und keinerlei Vermerk in unserem Reiseführer.
Um den Tag zu beschließen sind wir ins Lucky J Steakhouse & Arena essen gegangen. Das Restaurant ist 'urchig' im Wild-Western-Stil
gehalten und offeriert super Essen. Wenn man zur richtigen Zeit zur Stelle ist, kann man sogar beim Essen eine Rodeovorführung beobachten. Heute gabs aber nur Essen, leider.