Tag 19

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Fr, 28.07.17:

Der heutige Tag begann mit einer Erkundung von Winslow bei Tageslicht.
Daran anschließend suchten wir uns ein Restaurant, in welchem wir Frühstücken konnten. Etwas, das hier leichter gesagt, als getan ist. Wie so oft, standen viele Gebäude und Lokale leer, waren verrammelt oder einfach verlassen. Wir landeten schlussendich im Afonso's, wo wir mexikanisch gefrühstückt haben. - Mexikanisches Frühstück unterscheidet sich nicht gerade wesentlich von mexikanischem Mittagessen... -
Nach dem Essen deckten wir uns wie immer mit Getränken und kühlendem Eis ein und begaben uns auf die Route 66.
26 Meilen von Winslow entfernt gibt es einen Meteoritenkrater. Dieser Krater war unser Ziel, da wir jedoch DIE Schotterpiste (ohne Schotter) schlechthin wählten, dauerte die kurze Fahrt rund zwei Stunden. - Genau genommen sind wir den Weg mehrmals gefahren: Zuerst sind wir auf der superalten, verwucherten Rt66 gefahren, bis es endgültig nicht mehr weiter ging. Zweimal konnten wir ein Gatter öffnen, einmal bauten wir sogar einen Zaun ab. Aber dann war da diese dämliche Mulde in der Landschaft, in der wir auch mit unserem Allrad steckengeblieben wären. Wir hatten diesen inoffiziellen Teil der Rt66 nur entdeckt, weil sie erstaunlicherweise auf der Handy-Map als solche beschriftet war. Da die Rt66 für uns an dieser Stelle also zu Ende war, mogelte sich Papa die Böschung zur naheliegenden Interstate hinauf. Dies ging dummerweise nur in Richtung Winslow. Gezwungenermassen fuhren wir in fünf Minuten die Strecke zurück, für die wir zuvor 1,5 Stunden gebraucht haben, ehe wir die Möglichkeit hatten, die Fahrtrichtung zu wechseln. Danach ging alles relativ schnell.
Beim Barringer-Krater angekommen, lösten wir unseren Eintritt und machten uns 'an die Arbeit'. Das Visitorcenter des Meteoritenkraters (1,3 Kilometern Durchmesser) bietet eine interessante Ausstellung zum Thema 'Kleine Himmelskörper' an. Es heißt zwar, dass die einzelnen Fakten nicht mehr alle auf dem neuestem Stand sind, jedoch verschlechtert das den Gesamteindruck nicht wirklich. Außer der Ausstellung bietet das Center zudem eine kostenlose Führung und einen zehnminütigen Film über den Meteoriteneinschlag von vor 50'000 Jahren an.
Wie bereits erwähnt ist der Barringer-Krater mit seinen 1,3 Kilometern ein eher kleines Exemplar, aber der Ort ist nicht wegen seiner physikalischen Dimension bekannt, sondern wegen seiner wissenschaftlichen. - Mit Hilfe des Barringer-Krater wurden Geheimnisse des Universums entschlüsselt, die zuvor als Phantastereien galten. Nahezu alles, was wir heute über Asteoriden und Meteoriten wissen, ist uns nur bekannt, weil am Barringer-Krater die Pforten dazu geöffnet wurden. Wegen seiner klimamäßig idealen Lage ist er für sein Alter extrem gut erhalten und hat sich seit seiner Entstehung quasi nicht verändert.
Auf Geschichte von vor 50'000 Jahren, folgte die Geschichte von vor 900 Jahren. Zumindest, nachdem wir sie gefunden haben, denn auf dem Weg zum Walnut Canyon National Monument haben wir uns gewissermaßen verfahren. - Wegen eines Tippfehlers bezüglich der Autobahnabfahrt (Exit-Nummer), erwischten wir eine Straße, die zwar abenteuerlich ist, dummerweise aber komplett um den Canyon herumführt. - Aber auch dieses Ziel erreichten wir am Ende doch noch, und konnten uns die Prähistorischen Siedlungen der Sinagua-Indianer ausgiebig ansehen. - Viel interessanter als die Ruinen waren jedoch die 'Kolibris'. -
Übrigens:
Ein 'National Monument' wurde von einem Präsidenten als schützenswert erklärt, rein theoretisch kann jeder andere Präsident das Monument wieder 'absetzen'.
Ein '(National) Park' wurde zudem vom Kongress als Kulturgut abgesegnet und kann somit nicht mehr auf einfache Weise 'normalsterbliches' Land werden. 
Über eine supertolle Straße sanken wir von über 6000 Fuß auf unter 5000. Kurz vor Sedona gibt es die Midgley Bridge. - Eine stählerne Autobrücke über eine kleine Schlucht. - Von ihr aus führt ein Fusspfad auf den Grund des Canyons bis zum Oak Creek. Unten angekommen kann man schön hübsch den leeren Bachbetten und eher weniger offiziellen Fußpfaden folgen. Wenn man es wie wir macht und einfach darauf losläuft, kann es durchaus passieren, dass man in einem Regenschauer landet. - Besonders jetzt, in der Monsoon-Zeit. - Wir stellten uns unter einen großen überhängenden Felsen, warteten ein bisschen und wurden hauptsächlich nass, als wir nach dem Regen querhangauf gelaufen sind und die Vegetation streiften.
Zum Tagesabschluss sind wir noch durch Sedona 'gebummelt'. Der Ort ist, wie das vorangehende Flagstaff, eine einzige 'Touristenfalle' im positiven Sinn. Sympathischerweise verfügt es auch über eine Flaniermeile, was wir bislang in dieser Form noch nie angetroffen hatten.
Bei der Rückfahrt nach Flagstaff war es bereits dunkel, mit Musik von Rachmaninov hatte der Aufstieg jedoch etwas sehr entspannendes.
Übernachtet wird heute spontan im Travel Inn.