
Sa, 22.07.17:
Drei Ereignisse sind für heute zu verzeichnen:
1. Wir haben Texas erreicht. - Die flachste Landschaft, die mir je untergekommen ist. -
2. Es hat zum zweiten Mal geregnet, wenn auch nur kurz.
3. Das höchste Kreuz der westlichen Hemisphäre lag auf unserem Weg.
Ramada Inn ist wirklich keine große Leuchte an unserem persönlichen Motel-Himmel. Nicht nur funktionierte das wifi nicht und ist es
verhältnismäßig teuer, man muss für's Frühstück sogar noch extra zahlen. - Wie in einem Restaurant. - Das Essen war trotzdem gut, wenn auch mengenmäßig ein waghalsiges
Unterfangen, was wiederum typisch für Amerika ist.
Jedenfalls ging es gleich los auf die Piste in Richtung Elk City. Die vorgegeben Richtung wurde jedoch bald von der Lockung des
Clinton Lake unterbrochen. Viele schöne und tolle Fotos später - und noch viel mehr Kratzer am Auto - gelang es Papa doch noch, wieder auf
die richtige Spur zurück zu kommen. Der nächste offizielle Stopp - würde man die unzähligen 'Ah! Das ist ein tolles Motiv!'-Stopps mit einberechnen, käme man wohl nie zu einem
Ende - also, der nächste offizielle Stopp war dann das Farm & Ranch Museum in Elk City. Dort haben wir uns einen kurzen Film über
das Reisen in den USA angesehen. - Mit der Fertigstellung des Interstate 40 ist es nun möglich, vom einen Ende der USA zum anderen zu
fahren... ohne irgendetwas zu sehen. ;-) Ansonsten ist das Museum kein Erklärendes, sondern ein Zeigendes. Das heißt, dass es im großen und ganzen einfach ein wahnsinnig
gewaltiges Sammelsurium an Dingen ist, die thematisch ein wenig geordnet wurden.
Von einem der größten Erdgasfeldern der USA, das in Sayre beginnen soll, haben wir auf unserer Durchfahrt leider (oder glücklicherweise?)
nichts gesehen. Der nächste Ort, Erick hat laut Führer einen Kuriositätenladen, den wir aber nicht gesehen haben. Allerdings haben wir auch nicht explizit danach gesucht.
Der letzte Ort in Oklahoma ist Texola. Die beinahe-Geisterstadt mit der überwältigenden Zahl von
38 Einwohnern trumpft vor allem mit der Hitching Post und dem Water Hole #2. Diese beiden
Bar-Cafés leben wohl hauptsächlich von den Texanern, die über die Grenze kommen, um Alkohol zu trinken.
Bei der heutigen Überquerung der Staatsgrenze von Oklahoma nach Texas, sahen wir das Hinweisschild sofort. Man lernt ja dazu! Zwar war auch dieses Mal das Grenzschild nicht
gerade überwältigend, aber es gab keine anderen Schilder, die davon ablenken konnten. - Im Übrigen ist die Grenze zwischen Oklahoma und Texas gleichzeitig auch der 100. Meridian.
Früher galt dieser als natürliche Siedlungsgrenze, da das Gebiet westlich davon als landwirtschaftlich unbrauchbar angesehen wurde. -
Obwohl ganz Texas eigentlich 'trocken' ist (striktes Alkoholverbot), ist es im ersten Ort nach Texola möglich, alkoholische Getränke zu erwerben und zu konsumieren. Der Grund
dafür ist, dass Shamrock von Iren gegründet wurde. Ganz den irischen Wurzeln verbunden, hat die Regierung des Ortes 2010 beschlossen, dass
Alkoholhandel und -konsum auf dem Gemeindegebiet legal ist. Von der Alkoholregelung einmal abgesehen, ist das einzig Besondere in Shamrock eine alte U-Drop Tankstelle. Die unbenutzte Tankstelle wurde vor ein paar Jahren renoviert und unter Denkmalschutz gestellt.
In McLean - Dessen Gründer auf der Titanic starb - gibt es das Devil's Rope Museum. Ein Museum, dessen Hauptthema Stacheldraht ist. Zweifellos interessant, auch wenn die grandios dokumentierte Sammlung von etwa
2000 verschiedenen Stacheldraht-Typen zuerst etwas seltsam anmutet. Zumindest ist man hier sehr gut aufgehoben, wenn man sich für die Geschichte des Stacheldrahts interessiert. -
Es ist sogar gratis. -
Nächstes Ziel war wieder eine Sozusagen-Geisterstadt. Immerhin hat Alanreed vierzehn Einwohner mehr als Texola. Andererseits gibt es hier
auch nichts Spezielles, von verlassenen Häusern mal abgesehen.
Der nächste Punkt auf der Karte ist Groom. Dort gibt es den Leaning Tower of Britten und das
höchste Kreuz der westliche Hemisphäre. Ersterer ist ein mit Absicht so konstruierter Wasserturm, der möglichst viele Besucher in ein heute nicht mehr existentes Restaurant locken
sollte. Das Kreuz wiederum ist 1995 privat finanziert worden. Der Spender wollte damit seinem persönlich Glauben Ausdruck verleihen. - Wären da nicht die unzähligen Windräder, so
würde man das Kreuz wohl Meilen weit sehen. So geht es aber einfach in der Masse unter. -
Amarillo hat wohl etwa einen Drittel der Einwohner von Oklahoma City und belegt damit den Rang
119 im nationalen Städtegrößenvergleich. Es ist nun doch wieder recht spät geworden, weswegen wir einen Großteil auf morgen vertagen. Trotzdem haben wir uns erlaubt, eine
Aufführung der Kwahadi Kiva Indian Dancegroup zu besuchen. Wie der Name vielleicht erahnen läßt, tanzen die Kinder und Jugendlichen
Indianische Tänze. Leider ist das Ganze inzwischen sehr verkitscht. - Zudem hat uns keiner gesagt, dass von 2 Stunden 20 Minuten, der Moderator, der als Oberindianer auch alle
Gesänge sehr authentisch sang, 1 Stunde und 40 Minuten lang 'predigen' würde! -
Zu Abend gegessen haben wir im The Big Texan Steak Ranch & Berwery. Es ist ein vielseitiger Komplex, dessen Hauptattraktion ein
72-Unzen-Steak (etwa 2 kg) ist. Schafft man das Steak mitsamt Beilagen innerhalb einer Stunde, ist es gratis, ansonsten zahlt man. - Wir haben uns das aber nicht angetan.
Drei andere Typen hingegen schon, jedoch gaben sie alle auf. Beim letzten war es sehr knapp, er hatte nur noch 6.5 Unzen übrig. - Der Rekord liegt übrigens bei 9 Minuten 40
Sekunden. Unglaublich!
Übernachtung heute ist wieder spontan. Wir sind im Big Texan geblieben und haben uns im dazugehörigen Motel eingemietet. Total super hier. Alles auf Texanisch und Westernstil
getrimmt.