Tag 9 Thomas
Mo,
06.08.18:

Kirkjuhvammi heißt der Zeltplatz (isl. Tjaldsvæðið) auf der Halbinsel Vatnsnes, auf dem wir heute
recht spät erwachten. Er liegt direkt neben der historischen Kirche von 1882 (Kirkjuvammskirkja), die zwar nicht mehr in Gebrauch ist,
deren Friedhof aber neben neuen auch einige über 100-jährige Gräber beherbergt, die teils abenteurlich überwuchert sind. Direkt oberhalb der Kirche beginnt ein Wanderweg (isl.
Gönguleið) durch das hier angelegte kleine Wäldchen.
Wir haben diesen kurzen Weg in einen langen verwandelt und sind über die offenen Schafsweiden bis zum Bergrücken Vatnsnesfjall hochmarschiert. Da es hier oben nur Schafspfade hat, zerstreute sich unsere Herde und jeder suchte sich einen anderen Weg
zurück zum Wohnmobil, wobei Salvea die größte Runde absolvierte.
Nach dieser windigen Wanderung steuere ich Goldie noch etwas weiter in die Halbinsel hinein und entdecke das Hinweisschild Ánastaðastapi. Weil es so windig kalt ist,
stampfe ich allein hinunter zum Fjord und entdecke hier eine besondere Felsformation, die wie ein versteinertes Zwergenschloss aussieht. Ich hoffe auch einige Robben zu sehen,
finde aber nur eine Entenart, der es nichts ausmacht mit den Brandungswellen und dem Wind zu kämpfen.
Neben einem kleinen Leuchtturm gibt es auf dieser Seite der Halbinsel noch eine weitere Touristenattraktion: der kreisrunde Schafskobel Hamarsrétt, der spektakulär zwischen Fels und Fjord eingeklemmt ist. Heute fanden lustigerweise gerade Sanierungsarbeiten statt.
Da mit der Miete von Goldie nur 2000 km inbegriffen sind, müssen wir darauf achten nicht zu lange Extratouren abseits der Ringstraße zu
machen, denn jeder Zusatzkilometer würde 3€ kosten. Deshalb wende ich Goldie und fahre schnurstracks zurück nach Hvammstangi ins nationale Robbencenter: Selasetur Íslands. Ein kleines, aber feines
Museum rund um die beiden hier heimischen Robbenarten und ihre erstaunlichen Fähigkeiten und natürlich auch über andere Arten und Seevögel. Die meiste Zeit verbringen wir dabei im
Museumskino bei einem Film über die hier lebenden Kegelrobben (engl. Grey Seals, isl. Útselur)
und gemeinen Seehunde (engl. Harbour Seal, isl. Landselur). Hier erfahren wir auch, dass bei
starkem Wind die Robben nicht zu sehen sind, da sie dann keine Lust haben an Land zu liegen.
Weiter geht's durch isländische Landschaften nach Süden Richtung Borganes. Aufgehalten werden wir hierbei durch drei Dinge:
1. Ein Infostopp bei Kattarhryggur (Katzenbuckel), wo noch ein Stück der alten Pferdestraße erhalten ist samt dazugehöriger Brücke.
2. Einem Toi-Toi-Stopp für entsprechende Geschäfte...
3. Das nationale Monument Grábrókargígar, eine Formation von drei jungen Kratern (schlappe 3600 Jahre), wovon der größte und schönste
- Stora Grábrók - durch einen Holzweg begehbar gemacht worden ist. Der Wind war hier oben so stark, dass man sich vehement dagegen stemmen musste, und es sich fast
anfühlte wie beim freien Fall...
Gut durchlüftet in Borganes angekommen, sehen wir uns dort etwas um, lesen eine mörderische Sage, wie der Brakarsund seinen Namen bekam und ziehen dann weiter Richtung Akranes zum Campingplatz Kalmansvík.
Der Wind hat den ganzen Tag nie nachgelassen und bläst auch jetzt munter rund ums Auto.