Mi, 01.08.18:

Wir verlassen die
versteinerten Trolle bei Vik und trollen uns am vereisten Vulkan
Katla vorbei weiter der Ringstraße entlang. Schon bald treffen wir wieder auf ein Hinweisschild für eine Sehenswürdigkeit, zu der ich spontan abbiege,
wenngleich sie nicht auf unserem Tagesprogramm stand:
Hjörleifshöfdi.
Es ergab sich dadurch eine nicht zu missende Wanderung auf einen 221 m hohen Tuff-Hügel mit historischem Wikingergrab (AD 874) und grandioser Aussicht über die Gegend. Nun war es
bereits 12:00Uhr und ich steuerte den nächsten kleinen Aussichtshalt an, der
Mýrdalsjökull heißen sollte (und damit den entsprechenden
eisbedeckten Vulkan meint). Die isländische Sprache ist zwar eine der ältesten der Welt, lässt sich daher aber nur schwer merken und erheitert immer wieder mit lustig anmutenden
Begriffen. So kreuzen wir unzählige von den Gletschern zum Meer strebende Flüsse und Flüsschen, z.B.
Utari-
Kælir. Ab hier wechselt die Landschaft (und an
diesem Tag auch das Wetter) in erstaunlicher Plötzlichkeit von schwarz-flach, saftig-grün, hügelig-moosig, wasserfallig-hoch, vereist-kühn, wetterverhangen-dunkel-bedrohlich und
wolkenschauer-regenbogen-bunt.
Der Picknickstopp
Pykkvabæjar-
Klaustur klärt uns über das naheliegende 1188 gegründete Augustinerkloster auf, aus dem neben einem Heiligen auch unheilige Mönche lebten, die
offenbar gerne ungebührliche Kontakte zum nächsten Frauenkloster hegten... jedenfalls nehmen wir um 13:30 Uhr hier unser Mittags-Picknick ein.
Der nächste Halt -
Laufskálavarda - bietet einen kuriosen Anblick: vom großen Gutshaus, das hier einmal stand und 894 durch den ersten
belegten Ausbruch des
Katla zerstört wurde, ist nichts mehr übrig, aber Reisende haben bis zum heutigen Tag vulkanische Steinhäufchen
errichtet, die traditionell Glück für die Weiterreise bringen sollen.
Nächste Station ist
Kirkjugólfi, was nicht etwa ein Golfplatz rund um eine Kirche ist - man muss dazu wissen, dass Golfplätze hier keine
Seltenheit sind - sondern eine durch Vulkanismus entstandene Gesteinsformation von ca. 80 m2 Oberfäche, die wie ein Kirchenpflaster aussieht. Die eigentlichen Gesteins-Säulen sind
hierbei unterirdisch. Ein in der Nähe liegendes irisches Grab erzählt die traurige Geschichte von
Hildir Eysteinsson, der starb als er das
Dorf
Kirkjubaer betrat.
Wir kommen nun in die Gegend des Vulkans
Vatnajökull, der tolle Gletscheransichten bietet. Starke Wasserabflüsse des Gletschers haben bei
Skeidarársandur auf 7 km die Ringstraße samt Brücke zerstört, was eindrucksvoll dokumentiert ist. Ich biege hier - gegen den Widerstand
der restlichen
Goldie-Besatzung - zum Gletscherarm
Kviamýrarkambur, also zum Urheber des
Schadens, ab, was eine 2 km Fahrt auf ruppiger Schotterpiste erfordert. Die Szenerie am Auslauf des Gletschers ist aber das Gehoppel mehr als wert!
Nun wird es langsam Abend, und Remea drängt darauf den direkt an der Ringstraße liegenden Gletschersee
Jokulsárlón zu erreichen, an dem
angeblich Szenen zu James Bond (Im Angesicht des Todes / Stirb an einem anderen Tag), Batman und Tomb Raider gedreht worden sind.
Dieser Gletschersee, auf dem ganzjährig Eisberge treiben, ist nur durch einen Damm vom Meer getrennt und mit diesem durch Islands kürzesten Fluss
Jökulsá verbunden, weshalb auch im Meer Eisberge treiben und sich mit der Brandung am Strand entlangwälzen.
Die Weiterfahrt auf dem schmalen Landstreifen zwischen Atlantik und
Vatnajökull bietet immer wieder tolle Ausblicke auf bizarre
Felsformationen, unzählige kleine Wasserfälle, Wolkengebilde und Rutschhänge.
Tagesendziel ist
Höfn, auf dessen Campingplatz wir eine Dusche nehmen, dann aber noch ein paar km weiterfahren um glücklich um 23:30 Uhr
einen ruhigen Gratis-Stellplatz auf der Halbinsel
Stokksnes zu finden.